"Der Krüge schönster ist entzwei gebrochen!" - eine Katastrophe für die alte Frau Marthe Rull. Mehr noch: Wer war da in der Kammer ihrer Tochter Eve? War's ihr Verlobter Ruprecht oder ein anderer oder - gar der Leibhaftige selbst? Genug der Vermutungen und Schwüre, jetzt gehts vor Gericht: Dorfrichter Adam soll dem Kruge zu seinem Recht verschaffen. Doch Adam ist nicht recht in Form: Wo hat er sich nur diese schlimmen Verletzungen zugezogen, vergangene Nacht; wo kommt die Wunde auf seinem Kopf her und hat denn wirklich die Katze in seine Perücke "gejungt", so dass er Gerichtstag mit weißgepuderter Glatze halten muss? Und justament heute kommt Gerichtsrat Walter vorbei, der schon im Nachbarort die faulen Verhältnisse mit eisernem Besen ausgekehrt hat.Dass es nicht nur um ein Stück Töpfergut geht, wird schnell klar: Es ist Eves Unschuld, über die man zu Gericht sitzt und bald wird auch deutlich, dass es nicht der Ruprecht war, der den Krug zerschlug, auch nicht der Leberecht und der Dorfrichter Adam fragt sich schon, "Ob das Gericht befugt sei, anzunehmen, / Daß Beelzebub den Krug zerbrochen hat." Doch nichts dergleichen: Höchst irdisches Verlangen bringt die Wahrheit ans Licht und auch wenn dem Kruge hier nicht sein Recht geschieht, am Ende ist der "Blitz-Hinketeufel" überführt.Heinrich von Kleists (1777-1811) Lustspiel von 1806 ist die wohl beste Komödie in deutscher Sprache, überhaupt gilt Kleist als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker. Die Figuren seiner Stücke und Erzählungen setzt er unmenschlichen Zerreißproben aus: aus der höchsten Identitätskrise und erst in der Bereitschaft, die eigene Person aufzugeben, gewinnt Eve ihr Leben und ihren Status zurück. Ab 23. Oktober unter der Regie von Gaby Butz im Theater Nikola Landshut. | | |
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Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 25. August 2010 )
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